Fürbitte zum 3. Juni 2020

Für die Verantwortung

3. Juni 2020

Pastor Schlieper

 

Lieber himmlischer Vater!

wir blicken auf unser Land. Ganz ohne Sorgen können wir das nicht tun. Die Pandemie ist noch nicht überwunden und aus dem Schatten, in den sie uns alle gestellt hat, sind wir längst noch nicht raus. Wir sind nicht mehr in dem Maße eingeschränkt, wie wir es über Wochen waren. Darüber freuen wir uns.

Aber der Wegfall zahlreicher Beschränkungen hat uns die Normalität nur in Ansätzen zurückgegeben. Auch wenn unser Alltag dadurch das vertraute Gesicht bekommt, dass alle Lebens- und Arbeitsbereiche wieder zum Leben erwachen, bleibt bei Vielen ein beklemmendes Gefühl.

Herr, wir wissen nicht, ob wir dieser Normalität trauen können. Das Leben fühlt sich nach wie vor wie unter einer Dunstglocke an. Ihr haftet etwas Beklemmendes an.

Deshalb, lieber Herr, sind nach wie vor viele Menschen zurückhaltend und gebrauchen die neu gewonnen Spielräume jedenfalls im Augenblick nur in homöopathischen Dosen.

Andere drängt es zueinander. Bei bestem Wetter wollen sie ausgelassen sein und das Leben feiern. Das ist verständlich, Herr. Sie entledigen sich der Dunstglocke, in dem sie die Abstands- und Hygieneregeln bewusst links liegen lassen. Das, Herr, ist in der jetzigen Phase ein Spiel mit dem Feuer.

Herr, wir bitten dich: Wecke bei all Jenen die Einsicht, dass sie verantwortlicher mit ihren durchaus verständlichen Bedürfnissen umgehen.

Herr, die politisch Verantwortlichen haben auf die Herausforderungen dieser Krise bislang ganz gut geantwortet.

So wichtig schnelle und unbürokratische finanzielle Hilfe war, so kann das nicht die einzige Antwort auf diese Krise sein und bleiben. Gerade im Hinblick auf unser wirtschaftliches Handeln braucht es keinen „neuen Wein in alten Schläuchen“, sondern zeitnah Schritte, die ein anderes Wirtschaften wirklich erkennen lassen.

Herr, viele Menschen sind für diese tiefgreifenden Veränderungen bereit, weil sie wissen, dass sie alternativlos sind.

Herr, zu beklagen ist, dass es zu wenig politischen Willen gibt, diese Veränderungen herbeizuführen, um den Industriestandort Deutschland für die Zukunft fit zu machen.

Herr, wir bitten dich: Ermutige Jene, die politisch verantwortlich sind, das zu tun, was um unserer Zukunft willen geboten ist.

Amen.

Aktuelle Fürbitte

Wir fassen diese Zeit der Stille, die uns auferlegt ist, diese Fasten- und Passionszeit als etwas Neues auf, das der HERR uns auferlegt hat, etwas, das noch keiner von uns je erlebt hat.

Vielleicht gelingt uns das, die Ohren zu spitzen und zu lauschen, ob nicht das Wort Gottes erklänge in diesem ungewohnten Schweigen, und ob wir nicht gerade jetzt, sogar mehr, als sonst, spüren können, wie nahe er uns ist:

 

"Wie schwer sind mir deine Gedanken, Gott, wie gewaltig ist ihre Zahl. Wollte ich sie zählen, es wären mehr, als der Sand. Wache ich auf, ist mein Sinn noch bei dir."
Psalm 139,17f

 

Möge Gott euch alle segnen!

Pastor Lohse